
Versteckte Kosten bei billigen Website-Angeboten erkennen
Ein Angebot über 490 Euro für „die komplette Website“ sieht auf dem Papier nach einem guten Geschäft aus. Teuer wird es erst später, an Stellen, die im Angebot gar nicht auftauchen.
In Erstgesprächen mit Leipziger Betrieben liegt genau so ein Angebot regelmäßig auf dem Tisch. Der häufigste Grund, warum diese Betriebe nach ein bis zwei Jahren erneut suchen, ist nicht schlechtes Design. Es ist die Summe unter dem Strich: monatliche Beiträge, Nachträge für jede Textänderung, eine Domain, die jemand anderem gehört. Billige Website-Angebote sind dabei selten unseriös. Sie sind unvollständig, und die versteckten Kosten stecken genau in dieser Unvollständigkeit: Sie bezahlen sie in Raten.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Positionen typischerweise fehlen, wie Sie die Gesamtkosten über 36 Monate überschlagen und welche acht Fragen ein Anbieter vor der Unterschrift beantworten sollte.

Kurzantwort: Der Angebotspreis ist nur die erste von drei Zahlen
Versteckte Kosten entstehen fast nie durch eine Klausel im Kleingedruckten. Sie entstehen durch Leistungen, die schlicht nicht Teil des Angebots sind und trotzdem gebraucht werden. Rechnen Sie deshalb immer mit drei Zahlen statt mit einer:
- Einmalpreis für die Erstellung, also die Zahl, mit der geworben wird.
- Laufende Kosten für Domain, Hosting, Wartung und Lizenzen, multipliziert mit 36 Monaten.
- Nachträge für alles, was im Leistungsumfang fehlt: Texte, Bilder, Rechtstexte, Änderungen nach dem Launch.
Für die laufenden Positionen gelten in Deutschland grobe Marktspannen: eine .de-Domain kostet 10 bis 20 Euro im Jahr, solides Hosting 25 bis 300 Euro im Jahr, ein Wartungspaket für eine Unternehmensseite je nach Leistungsumfang 25 bis 350 Euro im Monat. Bei mir sind Hosting und Wartung ab 30 Euro im Monat kalkuliert, mehrseitige Websites starten als Festpreis bei 1.390 Euro.
Das Entscheidungskriterium ist einfach: Enthält ein Angebot keine einzige Zeile zu laufenden Kosten und Nutzungsrechten, ist es kein Angebot. Es ist ein Einstiegspreis.
Diese Positionen fehlen in günstigen Angeboten am häufigsten
Wenn ich ein günstiges Angebot mit einem Kunden Zeile für Zeile durchgehe, sind es fast immer dieselben sieben Lücken, hier geordnet nach dem Ärger, den sie später machen:
- Texte. „Inhalte werden vom Kunden geliefert“ ist der teuerste Satz in jedem Website-Angebot. Für sechs Unterseiten sind sechs bis zehn Stunden eigene Schreibarbeit realistisch.
- Bilder und Lizenzen. Fremde Bilder ohne Lizenznachweis gehören zu den Punkten, die in meiner Beratungspraxis am zuverlässigsten Ärger machen. Klären Sie, wer die Bilder beschafft und auf wen die Lizenz läuft.
- Rechtstexte. Impressum und Datenschutzerklärung sind Pflicht. Ein Generator reicht für einfache Fälle; ein Kontaktformular mit eingebundenen Drittdiensten ist kein einfacher Fall mehr.
- Technische Einrichtung. Domainumzug, E-Mail-Postfächer, SSL-Zertifikat und Weiterleitungen der alten Adressen.
- Sichtbarkeit. Meta-Titel, Beschreibungen, Google Business Profil und Search Console fehlen in Einstiegsangeboten fast immer.
- Korrekturschleifen. Prüfen Sie, wie viele Feedbackrunden enthalten sind. In meinen eigenen Projekten sind zwei Runden der Normalfall; steht dazu nichts im Angebot, wird jede Schleife später berechnet.
- Übergabe. Zugangsdaten, kurze Einweisung, Dokumentation. Ohne diesen Punkt sind Sie für jede Kleinigkeit an den Anbieter gebunden.
In meinem Kernangebot sind Struktur, Design, Texte, mobile Optimierung, SEO-Grundlagen mit über 30 lokalen Suchbegriffen, Meta-Angaben, Veröffentlichung und Einweisung enthalten. Das ist weniger ein Verkaufsargument als eine Messlatte: Nehmen Sie diese Liste und haken Sie ab, was in dem Angebot steht, das Ihnen gerade vorliegt.
Unsicher, was in Ihrem Angebot fehlt?
Schicken Sie mir das Angebot, das Ihnen vorliegt. Im kostenlosen Erstgespräch von 15 Minuten gehen wir die Positionen durch und rechnen die Gesamtkosten über drei Jahre gemeinsam hoch.
Laufende Kosten: Was nach dem Launch jeden Monat weiterläuft
Über die Gesamtkosten entscheidet die zweite Zahl, nicht die erste. Diese Positionen laufen weiter, ob Sie an der Website etwas ändern oder nicht:
| Position | Typische Spanne | Frage ans Angebot |
|---|---|---|
| Domain (.de) | 10 bis 20 Euro pro Jahr | Wer wird als Inhaber eingetragen? |
| Hosting | 25 bis 300 Euro pro Jahr | Eigener Vertrag oder Weiterberechnung? |
| Wartung und Updates | 25 bis 350 Euro pro Monat | Was ist enthalten, was kostet extra? |
| Plugin- und Theme-Lizenzen | 0 bis 300 Euro pro Jahr | Laufen die Lizenzen auf mich oder auf die Agentur? |
| Inhaltsänderungen | nach Aufwand | Was kann ich selbst ändern, was nicht? |
Die Wartung ist dabei der eigentliche Hebel. 120 Euro im Monat klingen harmlos, ergeben aber 4.320 Euro in drei Jahren und damit oft mehr, als die Website selbst gekostet hat. Ganz ohne Wartung ist allerdings auch keine Lösung: Eine ungepflegte Website wird langsam und angreifbar, und die Aufräumarbeit nach einem Sicherheitsvorfall übersteigt erfahrungsgemäß schnell drei Jahre Pflegekosten. Was hinter den Positionen Domain und Hosting steckt, habe ich in Domain und Hosting verständlich erklärt ausführlich aufgeschrieben.
Nutzungsrechte, Domain und Zugänge: die teuerste Falle
Diese drei Punkte kosten im Angebot nichts und im Streitfall am meisten.
Nutzungsrechte. Urheber der Website ist zunächst der Webdesigner. Damit Sie Ihre eigene Seite später ändern, umziehen oder weiterentwickeln dürfen, müssen Ihnen Nutzungs- und Bearbeitungsrechte ausdrücklich eingeräumt werden, im Idealfall ausschließlich sowie zeitlich und räumlich unbeschränkt. Ein Anspruch auf Herausgabe des Quellcodes ergibt sich nicht automatisch. Gerichte leiten ihn im Einzelfall aus dem Werkvertragsrecht ab (OLG Karlsruhe, 10 U 13/18), verlassen sollten Sie sich darauf nicht. Was nicht im Vertrag steht, haben Sie nicht.
Domain. Prüfen Sie, wer bei der Registrierung als Inhaber hinterlegt ist. Bei einer .de-Domain läuft der Anbieterwechsel über einen AuthInfo-Code, den Ihr bisheriger Provider herausgibt und der 30 Tage gültig bleibt. Reagiert der frühere Dienstleister nicht mehr, können Sie den Code über den neuen Provider bei der DENIC anfordern. Das funktioniert, kostet aber Wochen.
Zugänge. Hosting-Verwaltung, Domainverwaltung, E-Mail, Google Business Profil, Search Console. Lassen Sie sich alle Zugangsdaten bei der Übergabe schriftlich aushändigen und testen Sie einmal, ob Sie sich tatsächlich einloggen können.

Rechenbeispiel: drei Jahre statt drei Wochen denken
Das folgende Beispiel vergleicht keine realen Angebote, sondern zwei typische Modelle für eine kleine mehrseitige Unternehmenswebsite. Die Annahmen stehen offen in der Tabelle, damit Sie sie durch Ihre eigenen Zahlen ersetzen können:
| Position | Billiges Einstiegsangebot | Kalkuliertes Festpreisangebot |
|---|---|---|
| Erstellung, einmalig | 490 Euro | ab 1.390 Euro |
| Texte und Bilder | selbst erstellen oder 400 Euro Nachtrag | enthalten |
| Hosting und Wartung, 36 Monate | 90 Euro monatlich, 3.240 Euro | ab 30 Euro monatlich, ab 1.080 Euro |
| Änderungen nach dem Launch | je Änderung berechnet | im Wartungspaket geregelt |
| Summe nach drei Jahren | rund 4.130 Euro | ab rund 2.470 Euro |
Die Zahlen sind Annahmen, das Muster ist es nicht: Der Punkt, an dem das teurere Angebot günstiger wird, liegt je nach Rechnung zwischen Monat 9 und Monat 15. Rechnen Sie Ihr eigenes Angebot genauso durch, mit Ihren tatsächlichen Monatsbeiträgen; das dauert fünf Minuten. Eine Orientierung, was seriöse Preise 2026 überhaupt abdecken, gibt der Ratgeber dazu, was eine professionelle Website 2026 kostet. Wie abgerechnet wird, behandelt Festpreis oder Stundenhonorar im Webdesign.
Typische Fehler beim Angebotsvergleich
Vier Fehler sehe ich in Beratungsgesprächen immer wieder:
- Nur Endsummen vergleichen. Zwei Angebote mit identischem Preis können völlig unterschiedliche Leistungen enthalten. Vergleichen Sie Position für Position, nicht Zahl gegen Zahl.
- Den Wartungsvertrag überfliegen. Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und zugesagte Reaktionszeit stehen selten auf Seite eins. Lassen Sie sich alle drei Angaben ausdrücklich nennen, bevor Sie unterschreiben.
- Seitenzahl statt Aufgabe bestellen. „Fünf Seiten“ sagt nichts darüber, ob die Website Anfragen erzeugt. Beschreiben Sie stattdessen, welche Frage ein Besucher in den ersten zehn Sekunden beantwortet bekommen muss.
- Auf ein Ranking-Versprechen hereinfallen. Niemand kann Platz eins bei Google zusichern, auch nicht gegen Aufpreis. Seriöse Anbieter sprechen über Grundlagen und Messbarkeit statt über Garantien.
Ein fünfter Punkt ist unbequemer: Manchmal ist das billige Angebot tatsächlich das richtige. Wenn Sie nur eine erreichbare Visitenkarte im Netz brauchen, ohne Unterseiten, ohne Formular und ohne Wachstumsabsicht, reicht ein Baukasten völlig aus. Diese Abwägung habe ich in Website-Baukasten oder Webdesigner ehrlich gegenübergestellt, inklusive der Fälle, in denen ich abrate, mich zu beauftragen.
Acht Fragen, die Sie vor der Unterschrift stellen sollten
Schicken Sie diese Fragen als Liste an jeden Anbieter. Wie schnell und wie konkret die Antworten kommen, sagt mehr über die spätere Zusammenarbeit aus als jedes Portfolio:
- Wer wird als Domaininhaber eingetragen?
- Welche Nutzungsrechte an Design, Code und Texten erhalte ich, und ab wann?
- Was kostet die Website in 36 Monaten insgesamt, inklusive aller laufenden Positionen?
- Sind Texte, Bilder und Bildlizenzen enthalten oder liefere ich sie?
- Wie viele Korrekturschleifen sind im Preis enthalten?
- Was kostet eine Textänderung nach dem Launch, und wie lange dauert sie?
- Welche Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist hat der Wartungsvertrag?
- Bekomme ich bei Vertragsende alle Zugangsdaten und einen Export der Inhalte?
Wer transparent kalkuliert, hat mit dieser Liste kein Problem. Meine eigenen Leistungen und Preise stehen deshalb offen auf der Seite Preise im Detail, inklusive der monatlichen Positionen für Hosting und Wartung.
Fazit: Billig ist eine Zahlungsweise, kein Preis
Ein niedriger Angebotspreis senkt die Kosten nicht, er verschiebt sie. In Monatsbeiträge, in Nachträge und in Ihre eigene Arbeitszeit. Das ist nicht automatisch schlecht: Wer wenig Budget und viel Zeit hat, fährt damit unter Umständen gut. Problematisch wird es erst, wenn Sie die Verschiebung nicht sehen, weil sie im Angebot nicht steht.
Drei Dinge sollten Sie deshalb mitnehmen. Rechnen Sie jedes Angebot auf 36 Monate hoch. Klären Sie Domaininhaber und Nutzungsrechte schriftlich, bevor Sie unterschreiben. Und prüfen Sie, was Sie nach einem Vertragsende tatsächlich in der Hand halten.
Wenn Ihnen gerade ein Angebot vorliegt und Sie unsicher sind, welche Positionen darin fehlen, schicken Sie es mir über das Kontaktformular. Im kostenlosen Erstgespräch von 15 Minuten gehen wir es gemeinsam durch und Sie wissen danach, mit welcher Summe Sie über drei Jahre wirklich rechnen müssen. Eine Beauftragung ist dafür nicht nötig.
Quellen
- Providerwechsel bei .de-Domains (DENIC eG)
- Vertrag über Webseitenerstellung: Anspruch auf Herausgabe Quellcode (Rechtsanwalt Kotz)
- Fallstricke beim Webdesign-Vertrag (contentmanager.de)
- Webdesign Kosten und Preise 2026 (Kopf und Stift)
- WordPress Wartungsvertrag: Kosten, Inhalte und Vorteile 2026 (RHEINSPACE)
Photos provided by Pexels · Foto: Kaboompics / Pexels (Pexels License) · Foto: Kindel Media / Pexels (Pexels License) · Foto: Kaboompics / Pexels (Pexels License)
Kurz beantwortet.
Woran erkenne ich versteckte Kosten in einem Website-Angebot?
Was kostet eine Website wirklich pro Jahr?
Wem gehört meine Website nach der Fertigstellung?
Kann ich meine Website später zu einem anderen Anbieter mitnehmen?
Ab wann lohnt sich ein teureres Festpreisangebot?
Sind billige Website-Angebote grundsätzlich unseriös?
Mehr aus dem Ratgeber.

Festpreis oder Stundenhonorar: Was ist bei Webdesign üblich und fair?
Festpreis oder Stundenhonorar im Webdesign: übliche Stundensätze 2026, was ein Festpreisangebot enthalten muss und wann Stundenabrechnung fairer ist.

Was kostet eine professionelle Website 2026 realistisch?
Was kostet eine professionelle Website 2026 wirklich? Realistische Preise, Kostenfaktoren und eine ehrliche Einschätzung für kleine Unternehmen in...

Welche Informationen brauche ich für meine neue Website wirklich?
Welche Informationen brauche ich für meine neue Website? Checkliste mit Texten, Bildern, Rechtsangaben und Zugängen, die Ihr Webdesigner wirklich...
Unsicher, was in Ihrem Angebot fehlt?
Schicken Sie mir das Angebot, das Ihnen vorliegt. Im kostenlosen Erstgespräch von 15 Minuten gehen wir die Positionen durch und rechnen die Gesamtkosten über drei Jahre gemeinsam hoch.