
Stundensatz im Webdesign: Was üblich ist und was er über ein Angebot verrät
Auf dem Tisch liegt ein Angebot: „Webdesign, ca. 25 Stunden“, dahinter ein Stundensatz, darunter eine Summe. Die erste Frage lautet fast immer, ob der Satz angemessen ist. Es ist die falsche erste Frage.
Ein Inhaber aus Markkleeberg hat mir im Frühjahr zwei Angebote gezeigt. Eines mit einem niedrigen Satz und geschätzten 45 Stunden, eines mit einem deutlich höheren Satz und 18 Stunden. Das mit dem niedrigen Satz war am Ende teurer, und zwar bevor die erste Nachforderung kam.
Dieser Ratgeber nennt die Zahlen, die tatsächlich belegt sind, erklärt, was hinter einem Stundensatz steckt, und zeigt die zwei Fragen, die aus einem Stundenangebot ein vergleichbares Angebot machen. Ob Festpreis oder Stundenhonorar für Sie grundsätzlich besser passt, ist eine eigene Entscheidung; dazu gibt es einen eigenen Beitrag.

Was ist ein üblicher Stundensatz im Webdesign?
Die ehrliche Antwort vorweg: Für Webdesign allein gibt es keine belastbare veröffentlichte Zahl. Was es gibt, sind Werte für die angrenzenden Berufsfelder, und die geben eine brauchbare Orientierung.
Der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap, für den rund 5.400 Freelancer zwischen November 2025 und Februar 2026 befragt wurden, nennt einen durchschnittlichen Stundensatz von 103 Euro über alle Bereiche hinweg. Für IT-Freelancer liegt der mittlere Wert bei 95 Euro, für Software- und Webentwicklung bei 90 Euro.
Diese Werte stammen aus dem Freelancer-Markt, in dem viele Projekte für größere Auftraggeber laufen. Wer im Webdesign für kleine lokale Betriebe arbeitet, liegt in der Praxis häufig darunter. Nehmen Sie die 90 Euro deshalb nicht als Sollwert, sondern als Bezugspunkt: Ein Angebot deutlich darunter und eines deutlich darüber müssen jeweils erklärbar sein.
Wichtiger als die Einordnung der Zahl ist ohnehin, dass ein Stundensatz allein noch keinen Preis ergibt. Erst die Multiplikation mit der Stundenzahl tut das, und die steht in vielen Angeboten nur als Schätzung.
Stundensatz Webdesign: was hinter der Zahl steckt
Ein Stundensatz wirkt auf viele Auftraggeber wie ein Stundenlohn. Das ist der Denkfehler, aus dem die meisten Fehleinschätzungen entstehen.
Von einer Vierzig-Stunden-Woche sind bei einem Selbstständigen nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel abrechenbar. Der Rest geht für Angebote, Rückfragen, Buchhaltung, Weiterbildung und Akquise drauf. Über ein Jahr gerechnet bleiben nach meiner Erfahrung 800 bis 1.000 wirklich abrechenbare Stunden übrig, nicht die theoretisch möglichen 2.000.
Aus dem Stundensatz müssen außerdem bezahlt werden: Einkommensteuer, Kranken- und Rentenversicherung, Software und Lizenzen, Hardware, Versicherungen, Büro, Fortbildung und eine Rücklage für auftragsschwache Monate. Was am Ende beim Dienstleister ankommt, liegt deutlich unter dem, was auf der Rechnung steht.
Umgekehrt gilt das genauso: Ein hoher Satz ist für sich genommen keine Qualitätszusage. Er ist erst dann gerechtfertigt, wenn die geschätzte Stundenzahl entsprechend niedriger ausfällt oder mehr Leistungen enthalten sind.
Stundenangebot auf dem Tisch und unsicher bei der Einordnung?
Schicken Sie mir das Angebot, das Ihnen vorliegt. Im kostenlosen Erstgespräch rechnen wir Satz und Stundenzahl gegen den Leistungsumfang und benennen die Positionen, die noch fehlen.
Was die Höhe über ein Angebot verrät
Diese Einordnung nutzt die 90 Euro für Software- und Webentwicklung als Bezugspunkt. Sie ersetzt keine Prüfung des Angebots, hilft aber beim Einordnen.
| Lage zum Bezugswert | Typische Konstellation | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Deutlich darunter | Berufseinstieg, Nebenerwerb, Ausland, oder eine bewusst knappe Stundenschätzung | Lassen Sie sich zwei abgeschlossene Projekte zeigen und fragen Sie nach der Obergrenze |
| Etwas darunter | Einzeldienstleister mit lokaler Kundschaft und geringen Fixkosten | Klären Sie, ob Texte, Bilder und Einweisung enthalten sind |
| Ungefähr auf Höhe | Erfahrener Einzeldienstleister oder kleines Studio | Prüfen Sie vor allem die Stundenschätzung, nicht den Satz |
| Deutlich darüber | Agentur mit mehreren Beteiligten, Projektleitung, Spezialisierung | Fragen Sie, welche Rollen abgerechnet werden und wie viele Stunden auf Abstimmung entfallen |
In allen vier Zeilen steht dieselbe Empfehlung in anderer Form: Die Stundenzahl ist die aussagekräftigere Größe. Ein Angebot ohne belastbare Stundenschätzung ist kein Angebot, sondern eine Preisliste.
Die zwei Fragen, die mehr bringen als der Stundensatz
Wenn Sie aus einem Stundenangebot nur zwei Dinge herausholen können, dann diese.
Frage 1: Wie viele Stunden schätzen Sie, und was passiert, wenn es mehr werden? Sie suchen nach einer Obergrenze. Formulierungen wie „wir rechnen nach Aufwand ab“ ohne Deckel verlagern das gesamte Risiko auf Sie. Ein sauberes Angebot nennt entweder eine Obergrenze oder eine Schwelle, ab der Rücksprache gehalten wird.
Frage 2: Welche Arbeitsschritte sind in den Stunden enthalten? Die typischen Lücken sind immer dieselben: Texterstellung, Bildbearbeitung, Einrichtung von Domain und Hosting, Rechtstexte, Einweisung und die Korrekturrunden nach der ersten Vorschau. Jeder dieser Punkte kann ein Angebot im Nachhinein um ein Drittel verteuern.
Ein rechtlicher Hinweis, der in dieser Situation hilft: Nach § 632 BGB gilt, wenn die Höhe der Vergütung nicht bestimmt ist, die übliche Vergütung als vereinbart. Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten. Praktisch heißt das: Lassen Sie die Höhe nie offen, und lassen Sie sich für eine Kostenschätzung nichts berechnen, ohne dass das vorher ausdrücklich vereinbart wurde. Wie sich zwei Angebote insgesamt vergleichbar machen lassen, beschreibt der Beitrag zum Vergleich von Webagentur-Angeboten.

Rechenbeispiel aus Leipzig: warum der niedrigere Satz verlieren kann
Zwei Angebote für dieselbe fünfseitige Website eines Leipziger Handwerksbetriebs. Beide Zahlen sind zur Veranschaulichung gewählt und stammen nicht aus einem konkreten Angebot.
Angebot A: 55 Euro pro Stunde, geschätzt 40 Stunden. Rechnerisch 2.200 Euro. Texte und Bildbearbeitung sind nicht enthalten, Korrekturrunden werden nach Aufwand abgerechnet.
Angebot B: 95 Euro pro Stunde, geschätzt 16 Stunden. Rechnerisch 1.520 Euro. Texte, Bildbearbeitung und zwei Korrekturrunden sind enthalten, mit einer Obergrenze von 18 Stunden.
Angebot B ist trotz eines fast doppelt so hohen Satzes günstiger, und es ist zusätzlich planbar. Der niedrigere Satz in Angebot A täuscht, weil er mit einer höheren Stundenzahl und mit einem offenen Ende kombiniert ist.
Weitere Positionen, die in günstigen Angeboten regelmäßig fehlen, sammelt der Beitrag zu den versteckten Kosten bei billigen Website-Angeboten.
Warum ich mit Festpreisen arbeite
Ich rechne bei Website-Projekten grundsätzlich nach Festpreis ab, und der Grund ist weniger edel, als er klingt: Ein Festpreis verschiebt das Schätzrisiko dorthin, wo es hingehört. Ich schätze den Aufwand, also trage ich die Folgen, wenn ich mich verschätze.
Für den Auftraggeber hat das zwei Wirkungen. Er weiß vor dem Start, was am Ende auf der Rechnung steht. Und er kann eine Rückfrage stellen, ohne im Kopf die Uhr mitlaufen zu lassen. Gerade der zweite Punkt wird unterschätzt: Bei Stundenabrechnung fragen Kunden weniger nach, und weniger Rückfragen führen zu schlechteren Ergebnissen.
Die Ausgangswerte sind öffentlich: Ein One-Pager beginnt bei 790 EUR, eine mehrseitige Website bei 1.390 EUR, ein Relaunch bei 1.590 EUR, Hosting und Wartung bei 30 EUR im Monat. Struktur, Design, Texte, mobile Optimierung, SEO-Grundlagen, Meta-Angaben, Veröffentlichung und Einweisung sind im Kernangebot enthalten. Die vollständige Aufstellung steht auf der Seite zu den Preisen, der Leistungsumfang in der Übersicht der Leistungen.
Ehrlicherweise gehört dazu: Nach Aufwand abzurechnen ist nicht per se schlechter. Bei laufender Betreuung, bei unklarem Umfang oder bei kleinen Einzelaufgaben ist es sogar sinnvoller. Nur beim erstmaligen Bau einer Website, bei dem der Umfang vorher besprochen werden kann, gibt es wenig Grund dafür.
So machen Sie ein Stunden- und ein Festpreisangebot vergleichbar
Vier Schritte, etwa zwanzig Minuten für zwei Angebote. Danach vergleichen Sie tatsächlich dasselbe.
- Bei jedem Stundenangebot Satz mal geschätzte Stunden rechnen und die Summe daneben schreiben.
- Prüfen, ob eine Obergrenze genannt ist. Fehlt sie, schriftlich nachfragen und die Antwort zum Angebot legen.
- Eine Liste mit sechs Positionen anlegen: Texte, Bildbearbeitung, Domain und Hosting, Rechtstexte, Korrekturrunden, Einweisung. Bei jedem Angebot ankreuzen, was enthalten ist.
- Die laufenden Kosten für zwölf Monate addieren und zur Projektsumme dazurechnen. Erst diese Summe ist vergleichbar.
Schritt 3 verschiebt das Ergebnis am häufigsten. Zwei Angebote mit fast gleicher Summe können sich um mehrere hundert Euro unterscheiden, sobald man die sechs Positionen daneben legt. Ob Festpreis oder Stundenhonorar für Ihr Vorhaben besser passt, ordnet der Beitrag zu Festpreis oder Stundenhonorar im Webdesign ein.
Fazit: Die Zahl allein entscheidet nichts
Ein Stundensatz ist ein Faktor in einer Multiplikation, nicht der Preis. Belegt sind für die angrenzenden Berufsfelder 103 Euro im Gesamtdurchschnitt und 90 Euro für Software- und Webentwicklung; für Webdesign allein gibt es keine veröffentlichte Zahl, und wer Ihnen eine nennt, hat sie geschätzt.
Was Sie stattdessen prüfen sollten, steht auf einer halben Seite: die geschätzte Stundenzahl, die Obergrenze, die sechs häufig fehlenden Positionen und die laufenden Kosten für ein Jahr. Wer das für zwei Angebote macht, braucht über den Satz kaum noch zu diskutieren.
Wenn Sie ein Angebot vorliegen haben und einordnen möchten, ob Satz und Stundenzahl zueinander passen, schauen wir im kostenlosen Erstgespräch gemeinsam darauf. Ich sage Ihnen meine Einschätzung auch dann, wenn am Ende jemand anderes den Auftrag bekommt.
Quellen
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Kurz beantwortet.
Was ist ein üblicher Stundensatz im Webdesign?
Ist ein niedriger Stundensatz ein gutes Zeichen?
Was sollte ich fragen, wenn ein Angebot nach Aufwand abrechnet?
Was gilt, wenn im Vertrag kein Preis steht?
Was kostet eine Website bei Burmeister Webdesign?
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